Die Welt der Bronzezeit

Eines meiner gegenwärtigen Langzeitprojekte: Eine hoch detaillierte Wandkarte welche das Ende des Anfangs zeigt, die großen Zivilisationen des bronzezeitlichen Nahen Ostens. Auch wenn ich immer noch mit der Idee spiele eines Tages eine Karte Die Morgendämmerung der Zivilisation: 3000 v. Chr. zu erstellen, ist diese hier doch als möglichst allgemeine die Bronzezeit abbildende Landkarte ausgelegt. Obwohl sie den politischen Zustand um das Jahr 1250 v. Chr., kurz vor einsetzen des Zusammenbruchs am Ende der späten Bronzezeit, zeigt, habe ich auch viele, entsprechend markierte, bereits aufgegebene frühere Siedlungen, sowie ehemalige Flussläufe und Seen der frühen und mittleren Bronzezeit hinzugefügt.

bronze age map
Der Nahe Osten in der späten Bronzezeit

Eigenschaften:

  • Die großen Zivilisationen des Fruchtbaren Halbmonds und deren Nachbarn: Das mykenische Griechenland, Ägypten des Neuen Reichs, das Hethiterreich, Mitanni und Assyrien, Babylonien und Elam
  • Eine detaillierte Nebenkarte zeigt das weitere Eurasien der Bronzezeit,
  • Länder und Gaue,
  • Hunderte Städte klassifiziert nach ihrer politischen Bedeutung,
  • Häfen und Festungen,
  • Oasen und Berge,
  • Land und Seewege,
  • Bergwerke und bedeutende Steinbrüche,
  • Die ägyptischen Königsnekropolen aller Epochen ,
  • Eine Auswahl von Felsreliefs und Inschriften welche die Aktivitäten und den Aktionsbereich der verschiedenen Kulturen verdeutlichen,
  • An den antiken Zustand angepasste Geodaten sowie ältere Seen und Flussläufe,

  • Legende in Englisch und Deutsch,
  • Format DIN A0 (118,9 x 84,1 cm),
  • Maßstab 1:3.300.000.
Hittite Anatolia
Das hethitische Kernland
bronze age nile delta
Unterägypten
bronze age babylonia
Das kassitische Babylonien

Kommentar

Im laufe der Jahre entstanden eine Reihe von Blogposts welche die Entwicklung der Karte begleiteten:  

 

Entwicklung und Voranschreiten des Projekts: 

 

Bestimmte Gebiete: 

Namen: Bei der Beschriftung der Karte galt es, mehrere Anforderungen gegeneinander abzuwiegen. Einerseits existierte der Wunsch nach Authentizität und guter Lesbarkeit für Nutzer aus unterschiedlichen Sprachräumen, was beides für die Verwendung von zeitgenössischen Ausdrücken spricht. Andererseits sollten sich aber bekannte Orte und Begriffe für jedermann leicht wiederfinden lassen. Auch sollte gleichzeitig eine sprachlich-historische Konsistenz gewahrt werden. Dies wurde erschwert dadurch, dass manche Orte heute primär unter nicht zeitgenössischen antiken Namen, vor allem aus griechisch-römischer Zeit, bekannt sind, etwa die ägyptische Hauptstadt Memphis, das pharaonische Jnbw-ḥḏ. Es war ein Kompromiss zu finden, der letztendlich teilweise individuell ausgefallen ist. Die lineare Natur Oberägyptens erlaubte es, etwa bei bekannten Orten mehrere Namen anzugeben, ohne die Karte überfüllt wirken zu lassen. Auf Kreta ist die von Linear B Tafeln übernommene Schreibweise hinreichend nahe am späteren klassischen Namen der Städte. Im dichtgedrängten Kanaan wurde entweder die aus den Amarna Archiven bekannte akkadische Form [1], oder die heute geläufigste Variante des Namens verwendet, zumal sich die Gegend durch eine hohe Namenskontinuität auszeichnet. So wird etwa Meggido im Akkadischen als Maggigu, Maggida oder in Hieroglyphen als Meketi (Mktj) bezeichnet.

Bei den Regionen und Städten der Nebenkarte, von denen auch einige auf der Hauptkarte mit lokalem Namen auftauchen, gibt die Farbe auch die Sprache an, welcher der Name entnommen wurde.

Die Karte beinhaltet einige Hundert Namen und Ausdrücke, die aus dem Ägyptischen stammen [2]. Transkriptionen aus Hieroglyphenschrift enthalten, wie das Original, in der Regel nur Zeichen für Konsonanten und einige Halbvokale, so dass ein lautes Lesen der Worte ohne Kenntnis der Sprache nicht möglich ist. Für die Karte wurde daher auf die gängige ägyptologische Behelfsausprache [3] zurückgegriffen, welche das Hinzufügen von Vokalen regelt. Es sei darauf hingewiesen, dass dieser Standard in den meisten Fällen nicht mit der tatsächlichen antiken Aussprache übereinstimmt. In der Legende sind auch die Transkriptionen der wichtigsten Ausdrücke mit angegeben.

 

Städte: Die verzeichneten Siedlungen sind nach ihrer politischen Bedeutung klassifiziert. Reichshauptstädte sind die Herrschersitze oder übergeordneten Verwaltungszentren der Großreiche, Provinzhauptstädte übergeordnete regionale Verwaltungszentren. Dazu gehören etwa der Sitz des Vizekönigs von Kusch (15), Aleppo und Karkemisch als Zentren hethitischer Sekundogenituren, sowie Apasa, das Zentrum des „Arzawa Länder“ Verbundes [4]. Zentren erster Ordnung sind die Hauptstädte von Stadt- oder ähnlichen Kleinstaaten, sowie der Bezirke Ägyptens. Zentren zweiter Ordnung sind die Unterzentren jener Gebilde. Aus der Häufung bestimmter Kategorien lässt sich sich somit keine Aussage über Bevölkerungsdichte und Wirtschaftskraft einer Region schließen. Die Stadt Taanach in Kanaan etwa hat in der dargestellten Epoche kaum archäologisch fassbare Hinterlassenschaften hervorgebracht (5), und war daher scheinbar ein materiell unbedeutender Ort, der aber trotzdem weiter als unabhängiger Stadtstaat mit komplexen Verwaltung funktionierte.

 

Verkehrswege: Auch in der Bronzezeit gab es bereits über einfache Wege hinausgehende, mit Kunstbauten versehene, regelrechte Straßen. Diese werden in der Karte mit durchgezogenen Linien dargestellt. Das älteste Beispiel ist die aus dem Alten Reich stammende gepflasterte Verbindung zwischen dem Qasr el-Sagha am damaligen Ufer des Fayum Sees und den Steinbrüchen von Widan el-Faras (11). Diese Straße war zwar zur Zeit des Neuen Reichs nicht mehr in Benutzung, sie lässt sich aber auch heute noch über Kilometer in der Wüste nachverfolgen. Auch im mykenischen Raum ist der Ansatz eines sogar mit Brückenbauten versehenem Straßennetzes feststellbar. Für das Neue Reich von größter Bedeutung war der sogenannte Weg des Horus (12), die strategische Verbindung zwischen Ägypten und Kanaan. Militärposten und Versorgungsstationen in regelmäßigen Abständen ermöglichten es sowohl einzelnen Kurieren, als auch der gesamten Armee des Pharaos, sicher und zügig die wasserarme Wüste des Sinai zu durchqueren.

 

Die Oasen hatten im Vergleich zum Mittleren bzw- Alten Reich, als sie noch Sprungbrett für den Handel mit südlichen Ländern wie Yam waren, durch die zunehmende Austrocknung der Sahara deutlich an Bedeutung eingebüßt, was in die Klassifikation der dorthin führenden Wege eingegangen ist. Erst durch die Einführung neuer Bewässerungsmethoden und des Kamels (ab persischer Zeit) sollten diese wieder massiv aufblühen, bis zu einem neuerlichen Höhepunkt in der griechisch-römischen Epoche.

 

Zwar gibt es am Hafen Marsa Gawasis/Saww Spuren für Aktivität zur Zeit des Neuen Reichs (3), dessen Hauptnutzungsphase fällt aber eindeutig in die Epoche des Mittleren Reichs. Da bis zur Regierungszeit von Ramses III. zudem Expeditionen nach Punt dokumentiert sind, wartet der dafür genutzte Haupthafen eventuell noch auf seine Entdeckung.

 

Grenzen: Die exakten Grenzen von Stadtstaaten sind nur in Ausnahmen feststellbar, etwa wenn ein ausführliches Palastarchiv, wie in Ugarit oder Pylos, geborgen werden konnte. Aus diesem Grund sind solche auch nicht flächendeckend verzeichnet.

 

Gaue Ägyptens (8, 10, 13): Die alten, aus dem Alten Reich stammenden Gaue, hatten seit dem Mittleren Reich ihre Funktion als Teil der Verwaltung bereits weitestgehend an neuere, kleinere, um eine Stadt fokussierte Einheiten abgegeben, welche als Stadtbezirke oder Landkreise bezeichnet werden. Diesen stand anstatt des Gaufürsten ein Bürgermeister (haty-a) vor. Es gab allerdings auch Bürgermeister, die strategisch wichtigen Orten ohne Landkreis vorstanden. In der Karte werden diese als Zentren zweiter Ordnung aufgeführt. Aus diesen Bezirken gingen auch die späteren Nomoi der griechisch-römischen Zeit hervor.

Die alten Gaue waren aber im Alltag weiterhinfür die topographische Unterteilung des Landes bedeutsam, undauch im religiösen Kontext behielten die um ein Kultzentrum zentrierten alten Einheiten ihre Wichtigkeit.

 

Fayum (6, 7): Beim Fayum handelt es sich um eine große, abflusslose Senke westlich des Niltals. Sie wird über einen Nebenarm des Nils, den Bahr Yussuf, mit Wasser versorgt, welcher gleichzeitig nach Hochwassern einen gewissen Rücklauf ermöglicht. Als Folge dieser Dynamik hatte sich ein großer, saisonal schwankender See mit umfangreichen Sumpflandschaften gebildet.

Während des Mittleren Reichs kam es unter Senuseret (Sesostris) II. erstmals zu umfangreichen Erschließungsmaßnahmen, deren genauer Umfang und Zielsetzung sich gegenwärtig jedoch nicht mehr ermitteln lässt. Senuseret II. errichtete seine Pyramide bei el-Lahun am Eingang des Fayums, wie es wenige Jahrzehnte später auch Amenemhet III. in Hawara tat.

Die Verteilung der archäologischen Stätten jener Epoche, welche auch im Neuen Reich ihre Bedeutung beibehielten, legt einen weiterhin sehr hohen Wasserstand des Fayum Sees nahe, von ca 18 m über Normalnull. Erst in ptolemäischer Zeit wurde dieser durch eine strenge Kontrolle der Wasserzufuhr weitestgehend trockengelegt und das gesamte Becken in ein äußerst ergiebiges Fruchtland transformiert. In römischer Zeit hatte der verbliebene Qarun See dann ungefähr seinen heutiges Niveau von 45 m unter Normalnull erreicht.

 

Shasu und Apiru (5): Beides sind generische Begriffe, die keine konkreten Ethnien benennen. Der Name Shasu lässt sich am Besten mit Beduinen übersetzen. Er leitet sich vom ägyptischen Wort šꜢs (schas) ab, was „wandern“ oder „durchziehen“ bedeutet. Mit Shasu werden in den Quellen nomadische oder halbnomadische Stämme bezeichnet, welche besonders in in den Wüstenrandgebieten der Levante jenseits der städtischen Zivilisation lebten.

Apiru hingegen, oder akkadisch Hapiru, sind staatenlose Menschen, die zwar innerhalb der zivilisierten Welt, aber außerhalb der hochbürokratisierten Gesellschaften des bronzezeitlichen Nahen Ostens lebten. Der Begriff lässt sich ungefähr mit Räuber oder Störenfriede übersetzen. Sie rekrutierten sich aus allen Arten von Flüchtlingen, Abenteurern oder sonstigen Ausgestoßenen und traten oft als Wanderarbeiter oder Söldner in Erscheinung. Apiru existierten teilweise in sehr nennenswerter Zahl und stellten ein nicht zu unterschätzendes Sicherheitsrisiko da. Zusammenschlüsse von Apiru konnten durchaus eine ernste Gefahr für die Stadtstaaten der Region werden.

 

Libyer (2): In der Zeit des Neuen Reichs waren die Begriffe Tjemehu und Tjehenu für süd- bzw. nordlibysche Gruppen der Westwüste bereits sehr unspezifisch bzw. generisch geworden. Sie konnten sowohl das Land wie auch dessen Menschen bezeichnen.

Bei den Libu und Meshwesh handelt es sich um ab dem 13. Jhdt. v. Chr. zunehmend in den Quellen auftauchende neue libysche Gruppen. Diese waren wohl ursprünglich in der Kyrenaica beheimatet und drangen auf der Suche nach Land entlang der Küste vor, um im relativ wenig entwickeltem Westdelta sesshaft zu werden. Ab dem Ende des Jahrhunderts begannen sie, auch über die westlichen Oasen einzusickern.

 

Kanaan (14): Während der 18. Dynastie war das ägyptische Territorium in der Levante als ein loser Verbund von Vasallenstaaten organisiert. In der Ramessidenzeit setzte eine Entwicklung ein, welche immer mehr Städte der direkten Kontrolle ägyptischer Gouverneure unterstellte. Die erste Phase dieses Vorgangs unter Ramses II. ist in der Karte dargestellt. Hinzu kamen im abgedeckten Zeitraum noch Ashkalon, Gezer und Damascus(?) untere Merneptah, Yuzra (Tell Jememeh) aber spätestens unter Seti II., sowie Lachish, Gath (Gimtu, Tell es-Safi) und Tell es-Sa'idiyeh unter Ramses III.

 

 

Fußnoten: 

[1] Akkadisch war die Lingua Franca des bronzezeitlichen Nahen Ostens.

[2] Diese sind zumeist aus (9) entnommen.

[3] Siehe dazu etwa (1)

[4] Zu dieser Zeit: Zusammenschluss von Mira, Arzawa Minor, Wilusa, dem Seha Fluss Land, und Haballa (4).

 

Referenzen:

(1) H. Altenmüller, Einführung in die Hieroglyphenschrift, H. Buske (2010)

(2) K. A. Bard (ed.), Encyclopedia of the Archaeology of Ancient Egypt, Routledge Chapman & Hall (1999)

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(4) T. Bryce, The Kingdom of the Hittites, Oxford University Press (2006)

(5) T. Bryce, The Routledge Handbook of the Peoples and Places of Ancient Western Asia: The Near East from the Early Bronze Age to the Fall of the Persian Empire, Routledge Chapman & Hall (2009).

(6) P. Davoli, The Archaeology of the Fayum, in C. Riggs (ed.), The Oxford Handbook of Roman Egypt, Oxford University Press (2012)

(7) G. Garbrecht, H. Jaritz, Neue Ergebnisse zu altägyptischen Wasserbauten im Fayum, in: Antike Welt: Band. 23,4 (1992), 238–254.

(8) F. Gomaà, R. Müller-Wollermann, W. Schenkel, Mittelägypten zwischen Samalut und dem Gabal Abu Sir, L. Reichert (1991)

(9) R. Hannig: Großes Handwörterbuch Ägyptisch-Deutsch: (2800 - 950 v. Chr.), von Zabern (2006)

                         Großes Handwörterbuch Deutsch - Ägyptisch, von Zabern (2014)

(10) W. Helck, Die altägyptischen Gaue, L. Reichert (1974).

(11) J.A. Harrell, P. Storemyr, Ancient Egyptian quarries-an illustrated overview, in N. Abu-Jaber, E. G. Bloxam, P. Degryse, T. Heldal, QuarryScapes: ancient stone quarry landscapes in the Eastern Mediterranean, Geological Survey of Norway Special Publication 12 (2009), 7–50.

(12) J. K. Hoffmeier, S. O. Moshier, “A highway out of Egypt”: The main road from Egypt to Canaan, in Desert Road Archaeology in F. Förster, H. Riemer (eds.), Ancient Egypt and Beyond, Heinrich-Barth-Inst. (2014)

(13) A. B. Lloyd, A Companion to Ancient Egypt, Blackwell Companions to the Ancient World, John Wiley & Sons (2014).

(14) I. Singer, Merneptah's Campaign to Canaan and the Egyptian Occupation of the Southern CoastalPlain of Palestine in the Ramesside Period, Bulletin of the American Schools of Oriental Research, No. 269 (1988), 1-10. 

(15) L. Török, The Kingdom of Kush - Handbook of the Napatan-Meroitic Civilization, Handbuch der Orientalistik Abt.2 Bd. 31 (1999).

Literatur

The literature consulted by me so far when making the Bronze Age World  map. For better readability, the list of sources is separated by topic into sections. It begins with a list of more general topics, then continues with geographical subdivisions going clockwise around the map.

Allgemein

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Geodaten

 

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