Simulation der Antoninischen Pest

Auch wenn ich bereits seit 2005/2006 Geokoordinaten antiker Stätten sammelte, war es doch ein Projekt zur Simulation der Ausbreitung der Antoninischen Pest, einer Pockenepidemie im Römischen Reich des letzten Drittels des zweiten Jahrhunderts unserer Zeitrechnung, welches der effektiven Startpunkt meiner vorliegenden Karte des römischen Reichs war. Ein Projekt welches ich zusammen mit dem späteren Gründer des Sardis Verlags verfolgte. Dazu benötigten wir eine digitale Nachbildung des Verkehrsnetzwerks des Römischen Reiches und die der damit verbundenen Siedlungen.

Die Wegestrecken und Stationen des Itinerarium Antonini
Die Wegestrecken und Stationen des Itinerarium Antonini

Ausgangspunkt dafür bildete das Itinerarium Antonini, ein in seiner Endfassung aus dem späten 3. Jhdt. stammendes kaiserzeitlichem Straßenverzeichnis. In einem Itinerarium sind die Straßenstationen und die Entfernung zwischen ihnen in Form einer Liste wiedergegeben. Für die Lokalisierung dieser Stationen folgten wir weitestgehend der aktuellen Bearbeitung durch Bernd Löhberg oder dem Pleiades Gazeteer. Wie in der obigen Abbildung erkennbar ist, umfasst das Itinerarium Antonini jedoch keineswegs das gesamte Straßennetz und lässt insbesondere einige sehr dicht besiedelte Regionen wie die Provinz Asia oder das bei seiner finalen Niederschrift bereits verlorenen Dacia. Die dortigen Routen und Stationen mussten von uns nach gleichem Muster aus der Literatur ergänzt werden.

Zusätzlich zum Straßennetz fügten wir ein zweifach gegliedertes Seeverkehrsnetzwerk hinzu. Ein Langstreckennetzwerk mit Routen und Reisezeiten, welche der antiken Überlieferung und modernen Abschätzungen entnommen wurden, sowie ein automatisch generiertes Kurzstreckennetzwerk. Allen Knoten des Netzwerks wurde sodann eine Bevölkerungsdichte zugeordnet, anhand derer ihnen eine Bevölkerungszahl für die Simulation zugewiesen werden konnte.

Das fertige Netzwerk zur Simualtion der Antoninischen Pest
Das fertige Netzwerk zur Simualtion der Antoninischen Pest

Im Englischen Teil dieser Homepage findet sich ein etwas ausführlicherer Text über die Hintergründe und meinen Teil an diesem Projekt, den ich bei Gelegenheit übersetzen und hier integrieren möchte.  

 

Die ersten beiden Komponenten dieses Netzwerks bildeten den Ausgangspunkt für die vorliegende Karte des Imperium Romanum. Jedoch musste dazu die Auflösung der Wegpunkte über den typischerweise 30 km umfassenden Abstand zwischen den Stationen des Itinerariums verbessert werden und der genaue Straßenverlauf ermittelt werden. Außerdem waren weitere, sehr umfangreiche Ergänzungen nötig, um die Situation des gewählten Jahres 211 wiederzugeben, welche für die Simulation der Seuche nicht unbedingt erforderlich gewesen waren. Dazu gehörten neben einigen zu schließenden Lücken insbesondere Karawanen- und Transhumanzwege in den Wüstenregionen und Straßen in dünn besiedelten Teilen des Reichs. Auch die Seewege wurden den in der Antike gebräuchlichsten Strecken angepasst.

 

Für die nächsten, arbeitsaufwendigsten Schritte war wieder ein umfangreiches Literaturstudium notwendig um die wichtigsten Städte jeder Provinz und zahlreiche weitere gewünschte Punkt- und Linearstrukturen zum Referenzzeitpunkt wie Staats- und Provinzgrenzen, Oasen, Legionslager, Grenzbefestigungen, Minen und Steinbrüche und deren genaue Lage zu ermitteln und in Vektordaten zu überführen. Gleiches gilt für die mit abgebildeten, das Imperium umgebenden Territorien fremder Staaten und Stämme. Wenn möglich wurden alle Koordinaten anhand von Satellitenbildern überprüft.

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