Entwicklungsbericht 3.21: Die Welt der Bronzezeit

Während des letzten Monats konnte wieder ein signifikanter Fortschritt bei der Erstellung der Bronzezeit Karte erzielt werden. Schwerpunkt der Arbeit waren die Länder des Hethiterreichs, die dominierende Macht im oberen Zentrum der neuen Karte. Auch wenn das Gebiet des Hethiterreichs damit noch lange nicht fertig ist, ist nun doch zumindest deutlich mehr als ein Grundgerüst auf der Karte dargestellt. 

Ungleich Ägyptens oder der mesopotamischen Reiche ist die historische Geographie des Hethiterreichs bei weiten noch nicht vollständig verstanden. Obwohl mehr als 3000 Toponyme aus hethitischen Texten aus Hattusa und anderen Ausgrabungen bekannt sind, können nur die wenigsten davon sicher einem bestimmten Ort der späten Bronzezeit zugewiesen werden. Selbst die Lokalisierung einst wichtiger, öfter erwähnter Länder wird trotz der großen Fortschritte der letzten Jahrzehnte auch in aktueller Literatur noch heiß debattiert. Somit wird der Betrachter viel mehr Fragezeichen hinter den zeitgenössischen Namen auf der neuen Karte finden als gewohnt und weit mehr als bei allen anderen Karten wird sich das Bild in zukünftigen Auflagen mit neuen Erkenntnissen der Forschung noch ändern können. 

Der nördliche Teil des hethitischen Kernlandes mit dem Grenzgebiet zu den Kaskäern. Besonders in den hethitischen Teilen der neuen Karte sind auch einzelne Berge markiert, welche in den zeitgenössischen Texten regelmäßig als Referenzpunkte Erwähnung finden. 

Da es mein Ziel ist die im gegeben Rahmen detailliertest mögliche Karte des Hethiterreichs zu erstellen und nicht nur eine Karte archäologischer Stätten auf dem Gebiet des ehemaligen Hethiterreichs, bevorzuge ich die Verwendung zeitgenössischer Namen, wann immer ein solcher mit einiger Plausibilität einem festen Ort zugewiesen werden kann. Oftmals handelt es sich dabei jedoch um reine Hypothesen, basierend etwa auf der Ähnlichkeit bronzezeitlich bezeugter Namen verglichen mit der besser bekannten klassischen Überlieferung oder einzelnen Erwähnungen von Ortsnamen in vor Ort gefundenen Siegeln oder Tontafeln, die sich in vielen Fällen allerdings genauso gut auf naheliegende Orte beziehen könnten.  

Leider ist in den meisten Fällen auf der Karte nicht der Platz vorhanden um antike wie moderne Namen eines Ortes gleichermaßen anzugeben. Jedoch plane ich, wie schon bei der Vorgängerkarte des Alten Ägyptens wieder einen vollständigen Index mit allen bronzezeitlichen, modernen und klassischen (falls zutreffend) Namen der verzeichneten Plätze zu erstellen. 

 

Eine kürzlich hinzugefügte Neuerung sind schemenhaft dargestellte ehemalige Grenzverläufe, welche die politische Situation vor der Mitte des 13. Jahrhunderts v. Chr. wiedergeben. Dazu gehören etwa die ägyptische Nordgrenze unter Thutmosis III. ebenso wie ehemalige, von ihren Nachbarn eroberte Königreiche wie Arzawa im westlichen Anatolien oder das einstige Mittanni Reich des ende das vorausgehenden Jahrhunderts sein Ende fand.

Ehemals von Ägypten oder dem Hethiterreich kontrollierte Gebiete sind nun mit diffusen Grenzlinien in Landesfarbe markiert, ebenso wie das einstige Territorium des im späten 13. Jhdt. v. Chr. zerstörten Mitanni Reichs.

Auch jenseits der Grenzen des Hethiterreichs konnten einige Fortschritte erzielt werden. So wurde kürzlich die Insel Malta auf ihrer eigenen Nebenkarte eingefügt und die Legende zumindest für den Moment vervollständigt, da nicht auszuschließen ist das keine weiteren Neuerungen hinzu kommen werden. 

 

Die weitere Beschäftigung mit der historischen Geographie des Hethiterreichs wird voraussichtlich noch weitere ein bis zwei Wochen in Anspruch nehmen. Danach ist angedacht sich wieder dem Gebiet Elams und des heutigen Westirans zuzuwenden. Bereits im letzten Frühjahr, nachdem die Arbeit an Babylonien abgeschlossen war und noch bevor uns die Pandemie mit voller Wucht traf, hatte ich diesen Abschnitt bearbeitet, ohne ihn jedoch zufriedenstellend fertigstellen zu können. Mittlerweile ist jedoch einige zusätzliche Literatur für mich verfügbar geworden, die es mir hoffentlich ermöglichen wird Elam zu vervollständigen und das Land, welches für fast zwei Jahrtausende der große Rivale der mesopotamischen Staaten im Osten war, und seinen Nachbarn als Schwerpunktthema des nächsten Entwicklungsberichts wählen zu können.

Late Bronze Age map

WIP: Der aktuelle Stand der neuen DIN A0 großen Karte "Die Welt der Bronzezeit"  mit den jüngsten Ergänzungen

Literatur

 

  • M. Alparslan, M. Doğan-Alparslan, The Hittites and their Geography: Problems of Hittite Historical Geography, European Journal of Archaeology 18 (1) 2015, 90–110.
  • G. Barjamovic, A Historical Geography of Anatolia in the Old Assyrian Colony Period,  Museum Tusculanum Press (2011). 
  • T. Bryce, The Kingdom of the Hittites, Oxford University Press (2006).
  • T. Bryce, The Routledge Handbook of the Peoples and Places of Ancient Western Asia: The Near East from the Early Bronze Age to the Fall of the Persian Empire, Routledge (2009).
  • A. Godawa-Chrzanowska, Nachbarn des Oberen Landes - Politische Geographie der Grenzregionen des Reiches Hatti, Dissertation, Johannes Gutenberg-Universität Mainz (2020).
  • Ali M. Dinçol, Y. Yarkar, B. Dinçol, A. Taffet, The Borders of the Appanage Kingdom of Tarhuntašša - A Geographical and Archaeological Assessment, Anatolica 26 (2000), 1-29. 
  • A. Engin, A Localisation Proposal for Oylum Höyük: Ulisum / Ullis / Illis, in Armizzi - Engin Özgen'e Armağan / Studies Honour of Engin Özgen, Ankara (2014), 129-149.
  • M. Forlanini, Happurija, eine Hauptstadt von Arzawa?, in Belkıs Dinçol ve Ali Dinçol’a Armağan VITA Festschrift in Honor of Belkıs Dinçol and Ali Dinçol, Yayınları(2007), 285-298.
  • M. Forlanini, On the Middle Kizilirmak II, Studia Asiana 5 (2009), 39-69.
  • M. Forlanini, The Historical Geography of Western Anatolia in the Late Bronze Age, still an open question, Orientalia Vol. 81 Fasc.2 (2012), 133-140.
  • M. Gander, Asia, Ionia, Maeonia und Luwiya? Bemerkungen zu den neuen Toponymen aus Kom el-Hettan (Theben-West) mit Exkursen zu Westkleinasien in der Spätbronzezeit, Klio 97 2 (2015), 443–502.
  • C. Glatz and R. Matthews, Anthropology of a Frontier Zone: Hittite-Kaska Relations in Late Bronze Age North-Central Anatolia, BASOR 339 (2005), 47-65.
  • C. Marek, P. Frei, Geschichte Kleinasiens in der Antike, 2. durchges. Aufl., C.H. Beck (2010). 
  • A. Matessi, The Making of Hittite Imperial Landscapes: Territoriality and Balance of Power in South-Central Anatolia during the Late Bronze Age, Journal of Ancient Near Eastern History 3(2) (2016), 117–162.
  • R. Matthews and C. Glatz, The historical geography of north-central Anatolia in the Hittite period: texts and archaeology in concert, Anatolian Studies Vol. 59 (2009), 51-72.
  • R. Oreshko, Geography of the Western Fringes - Gar(a)giša/Gargiya and the Lands of the Late Bronze Age Caria, in O. Henry, K. Konuk (eds.), KARIA ARKHAIA - La Carie, des origines à la période pré-hékatomnide, Institut Français d’Études Anatoliennes Georges Dumézil - CNRS USR 3131 (2013), 139-189.
  • O. Pedersén, Ancient Near East on Google Earth: Problems, Preliminary results, and Prospects, in R. Matthews, J. Curtis, (eds.) Proceedings of the 7th International Congress on the Archaeology of the Ancient Near East, Harrassowitz Verlag (2012), 385-393. https://www.lingfil.uu.se/research/assyriology/earth/
  • A. Ünal, A Hittite treaty tablet from Oylum Höyük in southeastern Turkey and the location of Ḫaššu(wa), Anatolian Studies Vol. 65 (2015), 19-34. 
  • C. H. Roosevelt, C. Luke, The Story of a Forgotten Kingdom? Survey Archaeology and the Historical Geography of Central Western Anatolia in the Second Millennium BC, European Journal of Archaeology 20 1 (2017), 120–147.
  • D. Schürr, Zur Vorgeschichte Lykiens: Städtenamen in hethitischen Quellen, KLIO 92 (2010), 7-33.
  • Anne-Maria Wittke, Eckart Olshausen, Richard Szydlak, Der neue Pauly. Historischer Atlas der antiken Welt, Metzler (2007).
  • F. C. Woudhuizen, The Geography of the Hittite Empire and the Distribution of Luwian Hieroglyphic Seals, Klio 97.1 (2015), 7–31.

Write a comment

Comments: 0