Erläuterungen

 

Angedacht war immer, das Reich auf dem Höhepunkt von Macht, Wohlstand und Ausdehnung zu zeigen, woraus sich eine Einschränkung des Zeitrahmens auf die hohe Kaiserzeit zwischen den Flaviern und dem Beginn der Krise des 3. Jhdts. ergibt. Die Entscheidung viel schließlich auf die Herrschaftszeit des Septimius Severus.

Anders als Trajans, nur für kurze Zeit während seines Partherkrieges annektierte Gebiete jenseits des Euphrat, konnten die von Septimius Severus eingerichteten nordmesopotamischen Provinzen über 160 Jahre im römischen Reich gehalten werden. Zusammen mit der kontinuierlichen Expansion in die Randgebiete der Sahara ergibt sich damit die größte dauerhafte Ausdehnung, die das Reich je erlangte. Gleichzeitig zeigt die Karte so die Welt des ausgehenden Prinzipats in ihrer finalen Form, vor den tiefgreifenden politischen, ökonomischen und religiösen Änderungen welche das 3. Jhdt. bringen sollte.

Die Karte soll, gleichsam der Sicht vom Erdorbit aus, einen Blick auf den Mittelmeerraum bieten. Dazu wurde für den Hintergrund eine auf Landklassen und Bathymetriedaten basierende Darstellung mit einem durch Schummerung dargestelltem Höhenmodell kombiniert. Die dem zugrunde liegenden Geodaten stammen meist von Natural Earth[1], das Relief wurde aus SRTM-basierten Daten[2] errechnet. Die Projektion ist eine abstandstreue Zylinderprojektion mit dem Berührkreis 40°N, welcher im Zentrum des Mittelmeerraums liegt. Die Geodaten wurden an jenen Stellen, besonders im Küstenbereich, die sich seit der Antike stark verändert haben, dem damaligen Zustand angepasst. Das Straßennetz basiert auf dem Itinerarium Antonini und wurde in signifikantem Umfang um weitere Routen ergänzt.

 

Städte

Den in severischer Zeit noch weitgehend autonomen Städten wurde, als Grundeinheit des Reiches, in der Darstellung der größte Platz eingeräumt. Die regionalen Unterschiede in der Organisation der Städte sind durch deren Kategorisierung aufgezeigt: Der griechische und hellenisierte Osten war geprägt von seinem dichten Netz aus Städten, die meist nach Tradition der griechischen Poleis organisiert waren. In den keltischen Nordwestprovinzen orientierten sich die Territorien der dort etablierten römischen Civitates an den ehemaligen Stammesgrenzen der eroberten keltischen Völker, was zu großräumigen Einheiten mit mehreren größeren Städten führte. Im linksrheinischen Dekumatland waren kleinere, neu gegründete Einheiten vorzufinden. Ähnlich der Situation in Gallien ergibt sich die Lage in Ägypten, wo die Römer, wie die Ptolemäer vor ihnen, die vorgefundene Verwaltungsstruktur mit ihren teils Jahrtausende alten Gauen übernahmen. Der latinisierte Rest des Reichs folgte dem italischen Modell. In allen Teilen des Imperiums finden sich Städte welche entweder als römische Kolonie gegründet, oder später in diesen Rang erhoben wurden. Bei dem lateinische begriff Civitas, der wörtlich etwa Bürgerschaft bedeutet, handelt es sich um einen generischen Begriff, der jede Art von autonomem Gemeinwesen, inkl. Kolonien und unabhängigen Staaten bezeichnen kann. Das Civitas-Symbol in der Karte bezeichnet nur die Hauptorte größerer Verwaltungseinheiten der oben erwähnten Art.

In die Kategorie der nicht autonomen Siedlungen auf der Karte fallen entweder erwähnenswerte Vici[3] die stets Teil eines größeren Verbundes sind, ohne dessen Hauptort zu sein, oder um Canabae. Dem Militär untergeordnete und um dessen Kastelle entstandene Lagerdörfer und -städte. In beiden Fällen konnten diese Siedlungen eine beträchtliche Größe erreichen und viele vollwertige Städte an Einwohnern übertreffen.

Ergänzend zu den Städten sind einige erwähnenswerte Heiligtümer eingezeichnet, welche, anders als die meisten Einrichtungen dieser Art, außerhalb größerer Siedlungen lagen, oder einst zu einer ansonsten weitestgehend aufgegebenen Stadt gehörten. Ein Beispiel hierfür findet sich etwa in Delos, das sich nicht mehr von den Verwüstungen der mithridatischen Kriege erholen konnte und seine Funktion als Freihafen während der Pax Romana einbüßte. In Südarabien ist oftmals der lokale antike Name zusammen mit der von graeco-römischen Geographen überlieferten Form verzeichnet. Ein Fragezeichen hinter dem Namen gibt an, dass die Identifizierung eines Ortes mit einer Fundstätte ungesichert ist. Namen in Klammern sind moderne Bezeichnungen für in den Schriftquellen nicht erwähnte oder nicht identifizierbare Orte.

 

Grenzen

Der Großteil der römischen Außengrenzen ist durch Flüsse und Sperranalgen wohldefiniert, jenseits davon wurden die Grenzen als Verbindungslinien zwischen nachgewiesenen Außenposten eingezeichnet. Besonders in Wüstenregionen ist aber sicherlich die Aussage Bowersocks richtig, dass „Just as the Romans did not have provincial boundaries within the waters of the Mediterranean, they were not likely to have defined clear boundaries in the wastes of the great Syrian desert“. In diesem Bereich wurde versucht, die unter direkter militärischer Kontrolle stehende Zone zu erfassen, soweit sich diese durch Inschriftenfunde oder ähnliches extrapolieren lässt. Dies gilt insbesondere für die Ausbuchtung der Grenzlinie in die Sahara westlich von Dimmidi in Nordafrika, zu welcher CIL VIII 21567 bei Agueneb und zwei mögliche Kastelle bei El Khadra und El Bayadh Anlass gaben.

Generell gilt das die gesamte Süd- und Ostgrenze wesentlich schlechter erforscht ist als dies in Europa der Fall ist. Der Schwerpunkt der archäologischen Arbeit war den großen städtischen Zentren gewidmet. Insbesondere die Kastelle sind meist nicht durch Ausgrabungen detailiert untersucht worden und ihre Datierung oder die Existenz älterer Vorgänger ist entsprechend unsicher.

 

Kastelle

In ihrer Hochzeit unterhielt die kaiserlich-römische Armee um die 400 Alen und Cohorten der Auxiliartruppen, die über eine weit größere Zahl an Stützpunkten, zumeist linear aufgereiht entlang der Grenze, verteilt waren. Von diesen wurden nur jene eingezeichnet, die zum Nachvollziehen des Grenzverlaufs erforderlich erschienen. Auch sollte das gestaffelte Verteidigungssystem der dakischen Provinzen im Vergleich zum linearen Konzept der sonstigen Nordgrenze verdeutlicht werden. Ebenso soll die Dichte an Kastellen der ungleich über die Grenzen des Reiches verteilten Truppenkonzentration gerecht werden. Während allein im nördlich der Donau gelegenen Dakien ca. 50.000 – 60.000 Mann stationiert waren, wurden zur Sicherung der gesamten Weite Afrikas, zwischen Sala am Atlantik und Ägypten, lediglich 35.000 Soldaten eingesetzt.

 

Bergwerke und Steinbrüche

Auf der Karte sind ebenfalls Edel- und Buntmetallminen dargestellt. Die meisten Minen waren in kaiserlichem Besitz und leisteten einen nicht unerheblichen Beitrag zum Staatshaushalt. Andere, besonders Eisenbergwerke, waren so zahlreich, dass sie zumeist nur für den lokalen Bedarf produzierten. An Steinbrüchen wurden alle zumindest regional oder überregional exportierenden Betriebe eingezeichnet. Auch hier befand sich ein großer Teil in Staatsbesitz und ihre Erzeugnisse wurden oft reichsweit für kaiserliche, aber auch private Prestigebauten verwendet.

 

 

Römische Territorien

 

Arabia und das Rote Meer

Die Südgrenze der römischen Provinz Arabia kann mittlerweile mit einiger Sicherheit angegeben werden. Eine 2003 in Hegra gefundene lateinische Inschrift weist nach das dieses ehemalige Zentrum des nabatäischen Reichs fest in die römische Provinz Arabien integriert war. Zusammen mit Inschriftenfunden römischer Soldaten im Gebiet des ehemaligen Königreichs scheint es nun klar das dieses als ganzes im Jahr 106 annektiert wurde. Die eigentliche Reichsgrenze und zugleich einer der Haupteintrittspunkte der Weihrauchstraße dürfte etwa 20 km südlich von Hegra bei der heutigen Oase al-'Ula, dem antiken Dedan, zu suchen sein wo zahlreiche Graffiti die Anwesenheit römischer Soldaten und insbesondere von Benificiarii beweisen.
Inschriftenfunde zeigen die Zugehörigkeit der Oase Dumata tief in der Wüste zum nabatäischen Machtbereich. In severischer Zeit patrouillierten römische Truppen das Wadi Sirhan von ihrem Kastell Qasr al-Azraq. Durch das Wadi verlief der Verbindungsweg zwischen der Provinzhauptstadt Bostra und Dumata, eine wichtige Handels- und Einfallsroute in das urbanisierte Kernland der Provinz. In der Oase selbst wurde der Weihealtar eine Zenturios der Legio III Cyrenaica gefunden, welcher in die Regierungszeit von Septimius Severus datiert werden kann, so daß Dumata zumindest der Kontrolle der kaiserlichen Armee unterlag.                     

Der Status der alten Oasenstadt Tayma in römischer Zeit ist ungeklärt. Ausgrabungen ergaben das der Ort weiterhin ein urbanes Zentrum blieb und auch Teil das nabatäischen Königreichs gewesen war. Angesichts des Schicksals der anderen nabatäischen Besitzungen und der Lage der Oase habe ich sie konsequenterweise als auch dem Römischen Reich zugehörig eingezeichnet. 

Der römische Stützpunkt auf Farasan (lat. Portus Ferresanus) ist durch zwei neuere Inschriftenfunde etwa für die trajanische Zeit und das Jahr 144 belegt. Da die Einrichtung selbst bisher nicht archäologisch untersucht werden konnte, können keine Aussagen über ihre Nutzungsdauer, vor allem ob sie nicht im Jahr 211 bestand, getroffen werden. Das der Stützpunkt mindestens einige Jahrzehnte belegt war, somit mehrere Regierungswechsel überdauerte, und zudem 144 eine eigene Präfektur um die Farasan Inseln im südlichen Roten Meer bestand, weist alles auf eine dauerhafte Einrichtung hin. Der archäologische Befund in den untersuchten Hafenstädten Ägyptens zeigt kein nachlassen der dortigen Aktivitäten vor der Krise des dritten Jahrhunderts. Regional baute das Römische Reich nach den erfolgreichen Partherkriegen des Lucius Verus und Septimius Severus seine Machtposition und Stützpunkte im Orient zudem kontinuierlich aus. So zeigt die severerzeitliche Inschrift aus Dumata das die Kontrolle der Handels- und Zugangswege zum Imperium weiterhin die Politik des Reichs bestimmte. Die jüngeren Ausgrabungen in Myos Hormos und Berenice brachten zudem wiederholt Hinweise auf die kontinuierliche Präsens römischer Marineeinheiten im Roten Meer zu tage. Da das Imperium zugleich Südarabien als seinen Einflussbereich betrachtete und entsprechende diplomatische Verbindungen existierten muss auch die glaubhafte Möglichkeit eines militärischen Eingreifens bestanden haben, für welche derartige Stützpunkte äußerst nützlich wären. So hat auch bereits die Entdeckung von Farasan Spekulationen über weitere und ältere Vorgänger entfacht. All diese Überlegungen zusammen mit den Wunsch die größte Ausdehnung des römischen Machtbereichs einzuzeichnen brachten mich dazu Portus Ferresanus auf der Karte zu vermerken. Die neueren Funde befeuern auch die alte Diskussion ob der Existenz einer separaten classis Maris Rubri oder ob diese Schiffe der alexandrinischen Flotte unterstanden. In jedem Fall muss eine Marinebasis an der Ostküste Ägyptens bestanden haben, welche bisher nicht eindeutig identifizierbar ist. Berenice als Sitz des für die Region verantwortlichen Präfekten erscheint dafür als wahrscheinlichster Ort. Es besteht die Hoffnung das diese Fragen durch die fortgesetzten Forschungen dort und in Myos Hormos sowie die Auswertung der schon gemachten Schriftfunde diese fragen in näherer Zukunft werden beantworten können.

 

Mesopotamien

Die Entwicklung der Verwaltungsstrukturen in den neuen transeuphratischen Territorien zur Zeit des Septimius Severus lässt sich auf dem gegenwärtigen Kenntnisstandnicht mehr eindeutig rekonstruieren. Insbesondere betrifft das die inschriftlich genannte Provinz Osrhoene welche wahrscheinlich bereits 195 n. Chr. nach Septimius Severus erstem Partherkrieg eingerichtet wurde. Die Karte folgt der konventionellen Meinung die in ihr eine eigene unabhängige Provinz sieht.
Es ist aber gleichsam nicht unwahrscheinlich das Osrhoene eine Syria Coele angegliederte Unterprovinz war und deren Prokurator dem dortigen Statthalter unterstand. In diesem Fall oder auch generell wäre auch ihr Territorium, ohne Rhesaina und das restliche Haburgebiet, kleiner als hier dargestellt. Nach dem Jahr 205 wurde die Osrhoene effektiv mit Mesopotamia zusammengelegt und gemeinsam von Nisibis aus verwaltet. Meist wird dafür das Jahr 212 oder 213 angenommen, als das von den Römern als Regnum Abgari bezeichnete kleine Klientelkönigreich um Edessa annektiert wurde. Hier ist aber auch ein früheres Datum, etwa im Rahmen einer Reorganisation der Grenzverteidigung in den letzten Jahren von Septimius Severus möglich.
Für das Regnum Abgari, ein dem ehemaligen König von Osrhoene Abgar VIII.  zugestandenes Restreich, sind bis einen Punkt keinen genauen Grenzen überliefert. Allgemein wird angenommen das sich dies von Anfang an auf die Stadt Edessa und ihr unmittelbares Territorium beschränkte.
Die Stadt Amida wurde bereits zur Zeit der Severer in den Rang einer Colonia erhoben. Auch die könnte bereits von Septimius Severus veranlasst worden sein, ebenso denkbar aber von seinen Nachfolgern.   

 

Umliegende Territorien

 

Germania

Ein Problem stellt die Rekonstruktion der Zustände in der Germania zu Beginn des 3. Jahrhunderts da. Mangels einer Eigenüberlieferung sind wir auf Nachrichten von aus der Entfernung schreibenden griechischen und römischen Autoren angewiesen. Während hierbei die Quellenlage für das gesamte 1. Jhdt. n. Chr. durch zahlreiche im Original überlieferte Autoren wie dem Geschichtsschreibers Tacitus oder den Geographen Strabo und Plinius d. Ä. recht gut ist, gestaltet sich diese für die Zeit der Adoptivkaiser und Severer deutlich schlechter. Für die im 2. Jahrhundert entstandene Geographie des Claudios Ptolemaios kommt hinzu, dass dessen Quellen unbekannt sind und einem größeren Zeitraum zu entstammen scheinen.

Die aus diesen Werken erkennbare dynamische Änderung von Macht- und Abhängigkeitsverhältnissen, sowie teils auch der Siedlungsgebiete, lässt sich für die folgenden 100 Jahren nicht mehr im gleichen Detail nachvollziehen. Wie im römischen Machtbereich kam es im 3. Jhdt. auch in der Germania zu gravierenden Umwälzungen, wie etwa der Wanderung der Goten zum Schwarzen Meer oder der Bildung von Großstämmen wie den Franken oder Alemannen. Die Ethnogenese letzterer ist ein in der Forschung umstrittenes Thema, das im Besonderen diese Karte betrifft.

 

Alemanni

Hier stehen sich gegenwärtig im Wesentlichen zwei Erklärungsmodelle gegenüber. Zum Einen die Bildung der Alemannen bald nach den Markomannenkriegen im südostdeutschen Raum aus primär suebischen Stämmen (bzw. Teilen selbiger); insbesondere den Hermunduren und Semnonen; und deren Migration ins obere Maingebiet. Ein neuer, schlagkräftiger Großverband direkt im Vorfeld des Römischen Reichs hätte demnach Kaiser Caracalla zu einem Präventivkrieg gegen diese 213 n. Chr. bewogen. Später wären die Alemannen dann mehr oder weniger entscheidend am Fall des Limes 260 n. Chr. beteiligt gewesen und hätten sich im ehemaligen Dekumatsland[4] angesiedelt. Die zweite, von der jüngeren deutschen Forschung bevorzugte Alternative geht von einer in den Wirren des 3. Jhdts, weitestgehenden Aufgabe des Limes, durch Abzug der Truppen an andere Brennpunkte, aus. Dies hätte es diversen suebischen und auch anderen Germanengruppen erlaubt, sich im nun preisgegebenen Dekumatsland niederzulassen. Dort hätten sich aus diesen die Alemannen gebildet, deren erste gesicherte Erwähnung auf einen Panegyricus des Jahres 289 n. Chr. zurück geht[5].

Entscheidend für die Plausibilität dieses Szenariums ist die Validität der Erwähnung der Alemannen in diversen römischen Berichten für die erste Hälfte des 3. Jahrhunderts. Besonders die beiden zeitgenössischen Autoren Asinius Quadratus und Cassius Dio, welcher über den Feldzug des Jahres 213 n. Chr. und somit die alternative Ersterwähnung berichtet, sind hierfür relevant. Jedoch sind deren Werke, zumindest für diesen Zeitraum, nur aus späteren Zusammenfassungen und Zitaten in byzantinischen Quellen überliefert. Die Deutung des von Caracalla bekriegten Volkes in der Beschreibung von Cassius Dio als Alemannen ist umstritten, da der Name in drei unterschiedlichen, teils stark vom lateinischen Alemannennamen abweichenden, Varianten aus verschiedenen Überlieferungswegen vorliegt.
Da ich die Argumente[6] für die Echtheit dieser Überlieferung als wahrscheinlicher erachte, folge ich für die Karte dem ersten Ansatz. Dem entsprechend ist der Schwerpunkt der Semnonen, welche im 1. und 2. Jhdt. zwischen Elbe und Oder im Raum von Havel und Spree siedelten, auch bereits nach Südwesten zur römischen Grenze verschoben.

 

Cotini

Ein weiterer Grenzfall ist das in den römischen Quellen als Cotini oder Gotini, in der deutschsprachigen Literatur auch als Kotiner bezeichnete Volk. Dieses entsprach wahrscheinlich der archäologisch fassbaren Púchov Kultur, oder zumindest deren Spätphase, mit Zentrum im Nordwesten der heutigen Slowakei[7]. Viele der für die Cotini genannten Details, wie deren Beschreibung als zum keltische Kulturkreis gehörend, ihr Siedlungsgebiet, der von ihnen praktizierte Eisenabbau mit weiterer Eisenverarbeitung sowie ihre politische Abhängigkeit von den benachbarten germanischen Quaden, finden sich auch im Befund der Púchov Kultur wieder.

Die Siedlungen der Púchov Kultur wurden im späten 2. oder frühen 3. Jhdt. verlassen. In den erhaltenen Auszügen aus Cassius Dios bis 229 n. Chr. reichendem Geschichtswerk wird in Rahmen der Beschreibung der Markomannenkriege erwähnt, dass sie später vernichtet worden wären[8]. Leider ist der zugehörige Teil seines Berichts nicht erhalten. In zwei stadtrömsichen Inschriften aus der Regierungszeit der Kaiser Severus Alexander[9] und Decius[10] werden Cotiner aus der Provinz Pannonia Inferior erwähnt[11]. Es wird davon ausgegangen das die Reste des Volkes wahrscheinlich in der Endphase der Markomannenkriege, um 180 n. Chr., in die von Krieg und Antoninischer Pest entvölkerte Provinz umgesiedelt wurden. Ob ein Teil der Bevölkerung zurückblieb oder das Gebiet für die nächsten Jahrzehnte unbewohnt war ist unbekannt. In Anbetracht der generellen Unsicherheiten habe ich, da die Karte es ermöglichen soll, die Erreignisse in den letzen 135 Jahren des Prinzipats nachzuvollziehen, die Cotini weiter an ihren angestammten Sitzen eingezeichnet.

 

Saxones

Ähnliches trifft auf die Sachsen/Saxones zu. Auch hier wird die Echtheit ihrer Ersterwähnung durch Ptolemaios im 2. Jahrhundert angezweifelt, sowie der Name „Sachsen" nicht in allen Handschriften korrekt wiedergeben. Da die Sachsen aber auch sonst in keiner der für den Zeitrahmen der Karte relevanten Quellen Erwähnung finden und nicht vor dem ausgehenden dritten und vierten Jahrhundert als Machtfaktor in Erscheinung treten, habe ich diese auch nicht auf der Karte verzeichnet. Sie wären östlich der Chauken im Bereich der Elbmündung anzusiedeln.

 

Hibernia

Für das antike Irland liegen nur wenige Schriftquellen aus dem römischen Raum vor. Die Darstellung in der Karte stützt sich im wesentlichen auf Ireland and the Classical World von P. Freeman, in welchem der Autor diese mit dem archäologischen Befund zusammenführt.

Für den neolithischen Grabhügel Brú na Bóinne/Newgrange legt der Fund einer Serie römischer Münzen aus dem späten 1. bis zum frühen 4. Jahrhundert, sowie weiterer Wertgegenstände, nahe das der Ort auch zu unserem Zeitpunkt eine über sein direktes Umfeld hinaus wirkende religiöse Bedeutung besessen haben muß. 

 

Oasenkulturen und Transsaharahandel

Der Erforschung der Kulturen der Sahara konnte die internationale Archäologie seit Ende der 1990iger Jahre erfreulicherweise, nach Jahrzehnten der Vernachlässigung, mehr ihrer Aufmerksamkeit widmen, wodurch sich unser Wissen über diese Region in kurzer Zeit außerordentlich vermehren konnte. Besonders hervorzuheben sind die Arbeit der italienischen Mission unter Leitung von Mario Liverani im Tadrart Acacus Gebirge und in der angrenzenden Oasengruppe um das heutige Ghat[12] sowie die Leistungen des Fazzanprojektes (später Desert Migrations Projekt) unter Leitung von David Mattingly im zentrallibyschen Fezzan[13]. Beide werden zum Territorium des antiken Königreichs der Garamanten gezählt, dessen Kernland das Wadi al-Ajal mit der Hauptstadt Garama, dem heutigen Jerma, war. Beim Gebiet um Ghat wird dies jedoch gelegentlich angezweifelt.

Insgesamt steht die Erforschung der antiken Geschichte des Sahararaums aber im Vergleich mit den Landschaften um das Mittelmeer noch am Anfang. So gehören die Khufra Oasen[14] und ihr Umland zu den am wenigsten erforschten Gebieten unter den hier dargestellten.

Bei den beiden für diese Karte zentralen Fragestellungen, der Existenz eines regelmäßigen Handelsverkehrs in der Sahara in vorislamischer Zeit und der Existenz eines gut organisierten Staates der Garamanten herrscht unter den daran forschenden Archäologen mittlerweile ein beides bejahender Konsens[15]. Beides war in der Vergangenheit stark angezweifelt, bzw. überhaupt nicht in Erwägung gezogen worden[16]. Lag früher der Fokus auf einem Transsaharahandel hin zu den Städten des römischen Afrika, ähnlich dem besser dokumentierten mittelalterlichem Verkehr, so zeigen die neuen Erkenntnisse, dass in der Antike auch in der Sahara Bevölkerungszentren existierten, die nennenswerte Im- und Exporte generieren konnten. Somit ist auch der Handelsverkehr zwischen diesen Zentren zu betrachten. Bei der Frage nach der Bedeutung dieses Handelsverkehrs für die römische Welt muß berücksichtigt werden, dass alleine die nordafrikanischen Provinzen bereits die hundertfache Bevölkerungszahl des Garamantenreichs besaßen, das Gesamtreich die tausendfache. Exporte und Importe, die einen entscheidenden Anteil an der wirtschaftlichen Entwicklung des Fezzan hatten, beeinflussten die römische Wirtschaft insgesamt somit wenig und waren nie mit der Bedeutung des Ost- und Afrikahandels über die Häfen des Roten Meeres und die Kravanenstädte Syriens und Arabiens vergleichbar, wenngleich sie auch ihren Beitrag zur Blüte der Küstenmetropolen Tripolitaniens lieferten.

Zusätzlich zu den archäologisch fassbaren Handelswaren belegen vereinzelte Keramikfunde der römischen Epoche entlang des ursprünglich pharaonenzeitlichen Abu Ballas Trails[17] sowie lybisch-berberische Inschriften in der Selima Oase[18], dass die Sahara in der Antike auch abseits der Hauptwege von sehr mobilen Gruppen in allen Richtungen durchzogen wurde.

Auch bei den begangenen und eingezeichneten Wegen zwischen den Oasengruppen macht sich der ungleiche Forschungsstand bemerkbar. Während in den Wüsten westlich und östlich des Nils in Ägypten durch archäologische Fernerkundungen und Prospektionen am Boden die in der antike frequentierten Routen sehr genau bekannt sind, können sie in der Zentralsahara meist nur indirekt über die Verbreitung von Exportgütern und natürlichen Gegebenheiten, wie Wasservorkommen entlang eines möglichen Weges, erschlossen werden.

 

Fußnoten:

[1] http://www.naturalearthdata.com

[2] SRTM30 Datenset mit 1 km Auflösung. Quelle: U.S. Geological Survey, http://www.usgs.gov

[3] Der lateinisches Begriff Vicus bezeichnet ursprünglich ein Stadtviertel, in unserer Zeit aber auch eine physikalisch selbstständige Siedlung die rechtlich einem solchen entspricht.

[4] Dem Gebiet zwischen Limes, Rhein und Donau, Gitter D2 bis E3 der Karte.

[5] Eine Übersicht über die These und unterstützende Literatur bietet etwa W. Pohl: "Die Germanen"

[6] Wie aufgeführt in Bruno Bleckmann: "Die Alamannen im 3. Jahrhundert: althistorische Bemerkungen zur Ersterwähnung und zur Ethnogenese"

[7] K. Pieta: "Die Púchov Kultur".

[8] Dio. 72.12.3

[9] 222 bis 235 n. Chr.

[10] 249 bis 251 n. Chr.

[11] CIL 06, 32542 und CIL 06, 32557, ..ex provincia Pannonia inferiore cives Cotini..

[12] Gitter D8 der Karte

[13] Gitter E8 und F8 der Karte

[14] Gitter der G8 Karte

[15] Als aktuellen Übersichtsartikel WILSON 2012: "Saharan trade in the Roman period", für einzelnen Regionen etwa MATTINGLY 2013a: "The first towns in the central Sahara", MORI 2010: "Archaeological Research in the Oasis of Fewet and the Rediscovery of the Garamantes", oder auch für das klassische Siwa KUHLMANN 2007: "Das Ammoneion – ein ägyptisches Orakel in der libyschen Wüste"

[16] Siehe dazu etwa SWANSONS 1971: "Myth of Trans-Saharan Trade during the Roman Era"

[17] Gitter H8 nach G9 der Karte, HENDRICKX 2013

[18] Gitter A8, Nebenkarte Aethiopia-Kush, PICHLER 2005

 

1 In accordance with Kleinunternehmerstatus exception of §19 of the German Value Added Tax Law, we do not collect or display VAT. Aufgrund des Kleinunternehmerstatus gem. § 19 UStG erheben wir keine Umsatzsteuer und weisen diese daher auch nicht aus.